Montag, 8. Dezember 2014

Ein Blick in die Zukunft – die Automatisierung des Militärs im maritimen Raum



Betrachtet man das Science-Fiction-Genre der Populärkultur, kann man sehen, wie sich sowohl einige Drehbuchautoren als auch viele andere Menschen die Zukunft der Menschheit vorstellen. Egal ob man die „Robots“ aus dem Film „I, Robot“, den Terminator oder Mr. Data aus „Star Trek“ betrachtet, unsere Zukunft scheint eine Welt zu sein, in der automatische Maschinen (Roboter, Androiden oder Cyborgs) selbstverständliche Bestandteile menschlicher Gesellschaften sein werden. Dabei scheint die Bandbreite der Fähigkeiten sowie der Nutzen dieser Maschinen genauso groß zu sein wie deren Gefahr für die Menschheit. Und tatsächlich scheinen, wenn man sich die technischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte vor Augen führt, solche Zukunftsvisionen keine bloße Fiktion mehr zu sein. Dabei ist Forschung im Bereich Rüstung oft der Ausgangspunkt für technische Neuerungen im zivilen Bereich. Die bekanntesten Beispiele für das Fortschreiten der Automatisierung des Militärs und damit der Kriegsführung sind Drohnen (Unmanned Aerical Vehicles; UAVs), Bombenentschärfungsroboter und „intelligente Bomben“. Der „AlphaDog“, ein vierbeiniger Laufroboter in der Größe eines Maultieres, der als Lastenträger für das US-Militär entwickelt wurde, ist ein weiterer Beleg für den Trend der Automatisierung – und in diesem Fall verbunden mit einer (groben äußerlichen) Nachbildung natürlicher Lebensformen.  

Die technische Entwicklung findet jedoch nicht ausschließlich zu Land und in der Luft statt. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbeobachtet vollzieht sich die Automatisierung des Militärs auch im maritimen Raum. Angefangen beim Einsatz von UAVs. So hat die deutsche Marine zeitweise erfolgreich den „Camcopter S-100“ als Aufklärungssystem an Bord ihrer Korvetten getestet. Der Camcopter ist eine Helikopter-ähnliche Drohne, die eine vorab programmierte Route weitestgehend autonom abfliegen, aber auch per Joystick gesteuert werden kann. Mittlerweile wurde das Projekt Camcopter allerdings wegen Zulassungsproblemen gestoppt. Im Bereich bewaffneter Drohnen – die der Politikwissenschaftler Herfried Münkler als die Waffen der postheroischen Gesellschaft bezeichnet – machte zuletzt die Entwicklung des X-47B (siehe Abbildung 1) der U.S. Navy Schlagzeilen. Das Versuchsflugzeug X-47B ist der Prototyp eines in der Entwicklung befindlichen neuen (tarnkappenfähigen) unbemannten Trägerflugzeuges für Aufklärungs- und Kampfeinsätze (Unmanned Carrier-Launched Surveillance & Strike; UCLASS). UCLASS-Systeme sollen nach derzeitigem Stand im Zeitraum 2021 bis 2025 eingeführt werden. 
Abb. 1: UCLASS-Landung auf US-Flugzeugträger (Quelle: Welt.de)
         
Auch unter Wasser schreitet die Automatisierung des Militärs voran. Unmanned oder Autonomous Underwater Vehicles (UUV/AUV) werden schon seit Jahrzehnten entwickelt. Im Gegensatz zu unbemannten Luft- und Bodenfahrzeugen gilt es bei UUVs/AUVs allerdings noch gewisse Herausforderungen zu bewältigen: Aufgrund der physikalischen Grenzen des Wasser können diese Geräte nicht aus großer Entfernung in Echtzeit gesteuert werden und müssen somit länger ohne von außen erteilte Steuersignale auskommen. Allerdings gibt es auch hier technische Fortschritte zu verzeichnen. In der deutschen Marine sind unbemannte Unterwasserautomaten bereits Alltag. So erleichtern der „Seehund“ (eine fernlenkbare Magnetspule mit Akustikboje) oder auch die Minenjagddrohnen „Seefuchs“ (siehe Abbildung 2) und „Pinguin B3“, die oftmals schwierige und gefährliche Arbeit von Minentauchern. Ferner wurden im Juni 2014 sechs AUV „Remus 100“ an die Marine übergeben. Die Aufklärungskompanie des Seebataillons in Eckernförde nutzt die „Remus 100“ um den Meeresgrund (in bis zu 100 Meter Tiefe) gemäß einem vorher einprogrammierten Kurs selbständig absuchen zu können. 
Abb. 2: Seefuchs (Quelle: Atlas Elektronik)
       
Der schon erwähnte Unterwasserautomat „Seefuchs“ ist eine Einwegbekämfpungsdrohne, die Unterwasserobjekte wie Minen und Munition orten und bei Bedarf zerstören kann. Die „HUGIN 1000 MR“ hingegen dient der Minenabwehr, U-Jagd und Unterwasseraufklärung in unterschiedlichen Wassertiefen. Solche bisher eingesetzten Unterwasserautomaten lassen Raum für Vorstellungen, wo die zukünftige militärtechnische Entwicklung im maritimen Bereich hingehen könnte. So sind bspw. autonom operierende Unterwasser-Kampfdrohnen vorstellbar, die gegnerische U-Boote (oder auch Überwasserkriegsschiffe) selbständig orten und bekämpfen können. Erste Schritte in diese Richtung hat bereits die U.S. Navy unternommen, die Systeme entwickeln lässt, die in noch größere Tiefen als bisher tauchen und dabei U-Boote entdecken und identifizieren können. Außerdem lässt die U.S. Navy an einer Drohne forschen, die für die Dauer von bis zu einer Woche autonom operieren kann. Ein anderer Schwerpunkt gegenwärtiger technischer Forschung sind Schwarmdrohnen, die den Vorteil haben, dass sie sich Arbeiten untereinander aufteilen können. Dabei können einzelne Drohnen Unterwasseraufgaben erledigen, während andere in der Nähe der Wasseroberfläche bleiben und so den Funkkontakt zur Basisstation aufrechterhalten. 
 
Hinsichtlich der Automatisierung des Militärs bzw. der Kriegsführung im maritimen Raum stellen sich grundsätzliche Fragen, die auch im Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Einsatz von bewaffneten Drohnen gegen Bodenziele aufgekommen sind. So stellt sich die Frage, ob die zunehmende Automatisierung der Kriegsführung die Hemmschwelle für den Einsatz von Gewalt herabsetzt? Auf der Pro-Seite einer weiteren Automatisierung steht die moralische Verpflichtung, das Leben und die Gesundheit der eigenen Soldaten durch neueste Technik bestmöglich zu schützen – zumal sich die Verbreitung neuer Technik ohnehin nicht verhindern lässt. Die Verwendung von Begriffen wie „Killerdrohnen“ in der Debatte führen jedenfalls in die falsche Richtung. Waffensysteme wie bewaffnete Drohnen (sowohl im Luft- als auch im Unterwassereinsatz) sollten grundsätzlich als ethisch neutral betrachtet werden. Denn letztlich liegt es in der Verantwortung der Menschen, wie und wofür diese Systeme eingesetzt werden. Die weitere Entwicklung, sowohl im technischen Bereich als auch in der Debatte über den Einsatz neuer Technik, verspricht jedenfalls spannend zu bleiben.

Kai Strell ist Student im Masterstudiengang „Internationale Politik und Internationales Recht“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seine Schwerpunkte sind humanitäres Völkerrecht und Seerecht sowie Frieden und Sicherheit in Afrika. Herr Strell war studentischer Mitarbeiter des Instituts für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK) und hält Vorträge zur politischen Bildung.

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